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Essen als Belohnung

Ja, so hat alles angefangen. Als ich ca. 1 Jahr alt war und laufen lernen sollte, wurden zwei Stühle in einiger Entfernung aufgestellt. An den einen Stuhl wurde ich gestellt und auf dem Anderen wurde ein Stück Schokolade gelegt (so wurde es mir erzählt). Wenn ich das Stück Schokolade haben wollte, musste ich zum anderen Stuhl laufen. Welches Kind möchte keine Schokolade, also fing ich an zu laufen. Auch wenn dies wie eine Anekdote klingt, so hat es doch, meiner Meinung nach, den Grundstein für mein späteres Essverhalten gelegt. Essen als Belohnung, vor allem Süsses als Belohnung. Mal abgesehen davon, dass ich einer Zeit groß geworden bin, in der man den Teller noch leer essen musste, wurde dieses "Essen als Belohnung" von mir zelebriert. Irgendwann aß ich nicht nur um mich zu belohnen, sondern es wurde zur Sucht, wenn ich was "geleistet" hatte, wenn ich traurig war oder mich einsam fühlte. Es ging soweit, dass ich die leeren Chipstüten und Schokoladenverpackungen versteckte und auch heimlich einkaufte. Dies blieb natürlich irgendwann nicht mehr unentdeckt und hatte zur Folge dass ich mir so Einiges anhören durfte. Aber zu der Zeit hatte ich mein Gewicht noch einigermaßen unter Kontrolle. Ich war zwar nicht so richtig schlank, aber auch nicht dick. Als ich dann zur jungen Frau heranwuchs und Hormone anfingen eine Rolle zu spielen, hatte ich immer größere Schwierigkeiten, mein Gewicht zu halten. Verständlicherweise blieb auch dies nicht unentdeckt und leider waren die Äußerungen meiner Eltern auch nicht sehr nett. Eine, für mich eingebrannte Aussage meines Vaters, nachdem er eine meiner Hosen gebügelt hatte war: " Ich hab dein Zelt gebügelt, liegt auf der Treppe." Dabei trug ich damals Hosengröße 40/42 und das kann man wirklich nicht als Dick bezeichnen. Na ja, auf jeden Fall zog es sich so durch mein Leben. Je unwohler ich mich durch äußere Einflüsse fühlte, umso mehr aß ich. Zum Glück lernte ich 1987 meinen jetzigen Mann kennen. Er liebt mich wie ich bin, egal welche Kleidergröße ich habe. Ihm ist einfach nur wichtig, dass ich mich in meiner Haut wohlfühle. Wir ließen es uns gutgehen, aßen unregelmäßig und häufig Fast food. Durch die vier Schwangerschaften, in denen ich leider immer viel liegen musste nahm ich stetig zu. Es blieb immer alles hängen und ich beneidete die Frauen, die nach der Geburt aussahen, als wären sie nie Schwanger gewesen. Aber egal, das Essen schmeckte und da ich ja so ein toller Mensch war und viel für andere und meine Familie "leistete", in diversen Pöstchen steckte wie Elternbeirat und ähnliches, immer an vorderster Front und meine Sache auch immer aufopferungsvoll ;-) und bis zur Selbstaufgabe erledigte, hatte ich auch immer einen Grund mich zu belohnen. Ich hatte eine Fressucht. Immer wieder habe ich versucht durch Diäten verschiedenener Art ( ihr kennt sie sicher alle), mit Punkten und ohne, mit Fett und ohne, mit Eiweiss und ohne usw. an Gewicht zu verlieren. Aber leider nie von langer Dauer. "Ich komm klar mit meinem Gewicht, ich bin rund aber ich fühle mich wohl, ich brauche die körperliche Stärke um mein Leben zu schaffen usw.,usw." Es war ein Teufelskreis, der mich letztendlich zu einem Spitzengewicht von über 150 kg. brachte. Nach Aussen fühlte ich mich wohl, konnte ja nicht zugeben, wie schrecklich dass für mich war, aber in mir sah es anders aus. In meiner Seele war ich aber schlank und konnte den Anblick meines Körpers in einem Spiegel oder einem Schaufenster nicht ertragen, bin jedesmal darüber erschrocken. Aber ich hielt die Fassade sehr lange, zu lange aufrecht. 2009 kam es dann zum Burn out mit schwerer Depression. Ich war fast ein halbes Jahr in psychiatrischen Kliniken, nehme Psychopharmaka ( welche zu einer weiteren Zunahme führten) und begann eine ambulante Psychotherapie. Erst jetzt bekam ich eine Ahnung davon, warum ich überhaupt so viel aß. Dieses Thema ist sehr privat und ich werde hier nicht öffentlich darüber schreiben. Mein Gewicht fing an, mich in meinem Alltag zu belasten. Bei der Arbeit als Krankenschwester schwitzte ich immer sehr stark, wenn wir einen Notfall hatten und ich mal rennen musste, brauchte ich fast ein Sauerstoffgerät, ich ging nicht ins Schwimmbad, obwohl meine Kinder gerne mit mir ins Schwimmbad wollten, ich hatte aber immer eine passende Ausrede. So kam es im Mai 2012 zu einem einschneidenden Ereignis, welches mein Leben von Grund auf ändern sollte. Mehr dazu in meinem nächsten Blog.

1.1.14 14:11

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